Austausch und Diskussion

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16. Jahrestagung der Internationalen Buchwissenschaftlichen Gesellschaft am 9./10. Juli  2015 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg


 

Thema: Die Rezension. Aktuelle Tendenzen der Literaturkritik
Tagungsleitung: Prof. Dr. Andrea Bartl, Prof. Dr. Markus Behmer 
Tagungsort: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
 


Zusammenfassung:

Einst beförderten, befeuerten Literaturbesprechungen die Aufklärung, bald schmähte Goethe den Rezensenten als übel nachredenden Schnorrer. Michael Ende verzerrte den seiner Zeit bekanntesten Kritiker zum monströs-miesepetrigen Büchernörgele, Hans-Magnus Enzensberger sah die belletristischen Buchbesprecher auf die ökonomisch fixierte Rolle von Zirkulationsagenten reduziert. „Die Kritik ist tot“, war vor rund 50 Jahren im Kursbuch zu lesen. Und heute? Abgesehen von gelegentlichen Erregungen etwa über „Feuchtgebiete“ oder Houellebecqs „Unterwerfung“, jährlichen Buchmesse-Ritualen und Nobelpreisträger-Würdigungen fristet die Literaturkritik eher ein Nischendasein in Fernsehen und Feuilletons.

Die Anzahl der in den großen Kulturteilen von Frankfurter Allgemeine Zeitung bis Zeit abgedruckten Literaturbesprechungen ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. War Marcel Reich-Ranicki als bildhafter Buch-Zerreißer vor genau 20 Jahren noch Titelmotiv des Spiegels, wird gegenwärtig seinen professionellen Kritikernachfolgern immer wieder attestiert, sie wären zu freundlich, nur noch nett, allein am Populären orientiert. Krise also der einst schon totgesagten etablierten Kritik – während gleichzeitig im Netz mehr Buchbesprechungen zu finden sind als je zuvor? Oft sind es Laien, die (etwa bei Amazon) Bücher bewerten, die Lektüretipps bieten von Lesern für Leser; bei vielen Buchempfehlungen in neuen Foren verschwimmt die Grenze zu PR und Marketing.

Wo steht das Rezensionswesen heute? Literatur- und Kommunikationswissenschaftler bieten in der interdisziplinär ausgerichteten Tagung knappe Bestandsaufnahmen und fokussierte Detailanalysen. Im Mittelpunkt soll dann der Austausch mit Kritikern, Autorinnen, Vertreterinnen und Vertretern von Buchhandel und Verlagen sowie Repräsentantinnen neuer Vermarktungsplattformen im Internet stehen.

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